Handschriftenblätter zwischen hölzernen Deckeln, daneben eine Schale und ein Blatt mit einer Wegelinie von einem Hügel in die Ebene

Das Kloster Sakya und das Haus Khön

Khön Könchok Gyalpo (1034-1102) aus dem Geschlecht der Khön gründete 1073 das Kloster Sakya. Da die Leitung innerhalb der Familie weitergegeben wurde, prägte das Haus Khön die Entwicklung der Schule maßgeblich. Ihr Oberhaupt trägt den Titel Sakya Trizin, der mit dieser familiären Nachfolge verbunden ist. Die Zugehörigkeit zum Haus Khön bestimmte somit, wer die Schule führte. Die Geschicke von Kloster und Familie waren eng verflochten.

Der Sohn des Gründers, Sachen Kunga Nyingpo (1092-1158), gilt als erster der fünf frühen Meister der Schule. Diese Gruppe heißt auf Tibetisch Gongma Nga und umfasst fünf Persönlichkeiten, die die frühe Entwicklung der Tradition prägten. Zu ihnen gehört auch Drogön Chögyal Phagpa.

Die Mongolen und Sakya Pandita

Die Begegnung des Gelehrten Sakya Pandita (1182-1251) mit dem mongolischen Prinzen Godan markierte einen Wendepunkt. Sie begründete die Beziehungen zwischen Sakya und den Mongolen, die über die folgenden Jahrzehnte hinweg Bestand hatten.

Phagpa und der Hof Kubilai Khans

Drogön Chögyal Phagpa (1235-1280) setzte diese Beziehungen am Hof Kubilai Khans fort. Als einer der fünf frühen Meister gehört er ebenso zur Gruppe Gongma Nga wie der Sohn des Klostergründers. Seine Verbindung zum mongolischen Hof zeigt, wie eng die Geschichte der Schule inzwischen mit den mongolischen Herrschern verknüpft war.

Herrschaft über Tibet und ihr Ende

Im 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts herrschten die Oberhäupter der Sakya mit mongolischer Unterstützung über einen großen Teil Tibets. Zuvor hatte sich die Autorität der Schule vor allem auf Familie und Kloster gestützt. Nun übernahm das Haus Khön neben seiner geistlichen auch eine politische Rolle. Seine Macht hing dabei von der Unterstützung ab, deren Grundlagen in der Zeit von Sakya Pandita und Phagpa gelegt worden waren.

Während der Klostergründer und sein Sohn im 11. und 12. Jahrhundert lebten, wirkten Sakya Pandita und Phagpa im 13. Jahrhundert, als die Oberhäupter der Sakya einen großen Teil Tibets beherrschten. Aus dem familiär geprägten Zentrum war ein politisches Machtzentrum geworden.

Mitte des 14. Jahrhunderts endete diese Vorherrschaft, und andere Geschlechter übernahmen die Macht in Tibet. Damit endet auch der hier betrachtete Zeitraum.